overthinking 2018.

Und da sitze ich wieder. Sitze nur da, mit dem Laptop auf dem Schoß, es ist still. Das einzige Geräusch sind meine Fingernägel, wie sie auf die Tastatur einhacken, das Licht kommt von unserem Weihnachtsbaum, der Bildschirm ist blendend hell gegen die warm-düstere Atmosphäre. Würde mich jemand fragen, wie es mir in diesem Moment geht, würde er wissen wollen, ob ich glücklich bin – ich könnte es nicht sagen. Es sind Weihnachtsferien, vor drei Tagen war Heiligabend, die Zeit zwischen den Jahren liebe ich doch so sehr. Irgendetwas fühlt sich komisch an, falsch, ich kenne dieses Gefühl, aus vorangegangenen Wochen ist es mir vertraut. Ich weiß immer noch nicht, was das sein soll, Hormonschwankungen, Vitamin-D-Mangel, Jahresenddepressionen? Zu tun ist genug. Schule, wie sonst immer auch, ich müsste einiges erledigen, schiebe es wieder auf, Prokrastination vom Feinsten. Sinniere. Vielleicht ist es Angst? Die Angst davor, dass alles neu beginnt, die Angst vor der Zeit, vor ihrem schnellen Lauf, vor ihrer Unaufhaltsamkeit. Dann wende ich meinem Blick wieder dem Laptopscreen zu, bringe Buchstabe für Buchstabe schwarz auf weiß, auf digitales Papier, geleitet vom Drang, endlich alles aufzuschreiben. Zurückzudenken, mich zu erinnern. Zu reflektieren. Wie war 2018 für mich?

 

Mein Jahr

Ich weiß nicht, ob der Schein trügt, habe aber dennoch Jahresende für Jahresende das Gefühl, das aufregendste Jahr meines Lebens liegt hinter mir. 2018 – hat wehgetan. War schön, wunderschön. Ich habe gelacht und genauso oft geweint und vieles gelernt und bin dankbar dafür. Es ist ganz einfach so viel passiert. Ein kurzer Rückblick auf mein Jahr – den ihr bei Desinteresse gerne überspringen könnt. (Anmerkung an dieser Stelle: ich frage mich ernsthaft, was ich gemacht habe, bevor Instagram Stories archiviert hat. Ich will diese Sammlung kleiner Momentschnipsel wirklich nicht mehr missen.)

Silvester feierte ich mit einer guten Freundin, was ich wundervoll in Erinnerung habe, der Januar war vollgepackt mit kollektivem Lernen, ganz besonders für Latein. Parallel musste ich an meiner Vertiefungsfacharbeit arbeiten und es ging weiter mit irgendwelchen Tests – Schule hat mich  in 2018 dauerhaft auf Trab gehalten -, blogtechnisch lief noch alles rund. Im Februar fuhren wir nach Ischgl zum Skifahren, das Wetter auf den Pisten dort war ganz genauso schlecht, wie die Spinatknödel toll geschmeckt haben, dann machte der Winter irgendwann dem Frühling Platz und ein ereignisreicher März brach an. Ich durfte an einem Wettbewerb teilnehmen, dessen liebe Veranstalter ich noch heute in Erinnerung habe, an dem ich neue Kontakte knüpfen konnte und wirklich mal wieder zufrieden war mit mir und der Welt. Eine halbe Woche lang waren wir schulisch auf Abenteuertrip in Dresden, am Freitag ging es zurück und am Samstag, den 24.03., der zugleich mein Geburtstag ist, früh los nach Livigno, Italien, eine Woche Skifahren mit Freunden. In seiner Vollkommenheit, nur leicht gemindert von zwei mäkeligen Schwestern, stand dieser Urlaub dem, den wir zwei Jahre zuvor miteinander verbracht hatten, nichts nach. Ende Februar hatten wir ein weiteres Schulprojekt losgetreten, die Virtual Science Fair, lernten einen Sponsor und dessen zwei Gründer kennen, machten mal etwas komplett Neues. Das Projekt, das wir im April präsentieren durften, wurde ein voller Erfolg. Zwischenzeitlich feierte ein Klassenkamerad seinen Geburtstag, die kleine Party war wirklich schön, und ich konnte alle mit meinem neuen Handy nerven, mein mittlerweile stetiger und unersetzlicher Begleiter, das ich selbst zum Geburtstag bekommen hatte. Der Frühling war endgültig angekommen, und mit ihm die Wärme und das Licht, ich war viel draußen und schoss Fotos auf endlosen Spaziergängen durch grüne Wälder, aß Erdbeerkuchen und Pancakes mit Himbeeren, blickte hoffnungsfroh in den Sommer. Ende April dann wieder ein Poetry Slam-Workshop bei Pauline, Vergangenheit, Kreativität, interessante Themen, wundervolle Menschen, Würzburg. Danach schrieb ich meinen ersten spoken word-Text, war inspiriert und damals noch verliebt. Und dann kam der Sommer. Die Tage waren lang und hell und heiß und genauso stressig wie wunderschön, Lebenslauf an unserer Schule, Dreitagestrip zum Bodensee mit meinen Eltern, ich habe die Landesgartenschau für mich entdeckt, durfte ein zauberhaftes, inspirierendes Wochenende beim Bayernslam 2018 verbringen, fotografierte, stand wenige Wochen später wieder selbst auf der Bühne und textete. Zur selben Zeit entdeckte ich eine absolut geniale Serie für mich – Sherlock, von wem soll sonst die Rede sein? – und dann Benedict Cumberbatch, der mich geradewegs zum MCU führte. Oh ja, filmtechnisch hatte 2018 wirklich einiges zu bieten. Und parallel zum Schauen dieser Serie vollführten wir einen Latein-Lernmarathon, das kleine Latinum war zu bezwingen, und irgendwie bestand ich schriftlich und mündlich mit der Bestnote. Das rundete das Schuljahr ab und nahm den Druck heraus, wir spielten Werwolf und schauten Filme und irgendwann waren dann Sommerferien. Sechs goldene Wochen lagen vor mir, die bald gefüllt werden sollten mit dem wundervollsten Urlaub in Österreich, wo ich gemeinsam mit meinem Vater eine kleine Hüttenwanderung bestritt und auch sonst viele Berge hochkraxelte, mit dem Treffen von Freunden, meiner liebsten Heimatstadt Würzburg, mit Hitze und Glück und allgemein: Unbeschwertheit. Das neue Schuljahr, neunte Klasse, begann und plötzlich ging alles viel zu schnell und ich habe jetzt noch das Gefühl, wir hatten eben erst September –  für uns startete ein Tanzkurs, Anfang Oktober war Reitertag bei uns im Stall, ich gewann meinen ersten kleinen Slam bei den Zellerauer Kulturtagen und durfte tags darauf auf der Bühne des U20-Frankenslams stehen, dann wurden die Tage kälter und kürzer und allgemein dunkler, der Herbst kündigte sich an und mit ihm dieses wundervolle Gefühl. Ich lief durch die Welt, schrieb und fotografierte, an einem Wochenende machten meine Eltern und ich einen Trip in den Bayerischen Wald, ich besuchte eine Freundin, die umgezogen war, in ihrem neuen Zuhause, wo wir eine schöne Filmnacht hatten. Dann begann auch schon unser alljährliches Training für die Weihnachtsfeier meines Reitvereins, eine Freundin feierte ihre obligatorische Geburtstagsübernachtungsparty, schließlich fing in Würzburg der Weihnachtsmarkt an, ein Wochenende später fand der Abschlussball meines Tanzkurses statt und einen Tag später die Weihnachtsfeier im Stall. Parallel: Schulstress, weil wir vor Weihnachten Tests und Prüfungen ohne Ende geschrieben haben, und dazu trotzdem dieses Adventsgefühl, sodass aus der Kombination von Herumhetzerei und Weihnachten deprimierte Stimmung einstellte – bis dann, nach Plätzchenbackabenden und einer Klassenweihnachtsfeier endlich Ferien waren. Wenige Tage später kam Heiligabend, der mit leckerer Ente und Tatsächlich … Liebe wirklich schön war, die Zeit zwischen den Jahren verbrachten wir mit einem Besuch bei Verwandten, einem Ausflug auf den Weihnachtsmarkt in Goslar und an Silvester schließlich mit unserem alljährlichen Neujahrs-Umtrunk. Am Abend selbst ging es ruhig einher, ein leichtes Essen, ein missglückter Himbeer-Topfenstrudel und viel Ruhe diesmal, irgendwie, weil wir weder selbst Feuerwerk gemacht haben noch eine Freundin von mir dabei war, die in den letzten Jahren immer mit von der Partie gewesen war.

Wenn ihr das durchgelesen habt, herzlichen Glückwunsch: Ihr kennt nun mein Jahr 2018 in knapp 800 Wörtern.

 

Persönlich

Ich will versuchen, einen Blick auf mich als Individuum zu werfen. Was habe ich gelernt in einem weiteren Jahr, wie habe ich mich weiterentwickelt im Vergleich zu 2017? Das ist viel. Eben habe ich erklärt, was mir alles widerfahren ist, was ich erlebt habe, das war einiges – und die Lehren, die ich daraus ziehen konnte, sind von so viel größerem Ausmaß. 2018 war ein nachdenkliches Jahr, diese Texte haben eine eigene Blogkategorie bekommen, ich habe mich in Slamtexten ausgedrückt. Vieles ist niedergeschrieben worden. Was ich meine, ist dennoch vor allem meine Art, Dinge zu betrachten, auf das Leben zu blicken und Geschehenes zu reflektieren. Im vergangenen Jahr war dies nicht immer leicht, oft eher ein Hindernis, eine Prüfung, die ich mir selbst gestellt habe, ich habe alles soweit zerstückelt und philosophiert, dass nichts mehr übrig geblieben ist, bis da irgendwann nur noch Leere war, immer noch Buchstaben, schwarz auf weiß, die vor meinen Augen keinen Sinn mehr ergaben. Das tut weh. Immer noch. Für mich habe ich begriffen, im vergangenen Jahr erst so richtig realisiert, wie sinnlos das Leben ist, dass wir Schatten und Phantomen hinterherjagen, gegen selbstgezeichnete Dämonen kämpfen – warum denn weitermachen, wenn es doch so schwer ist? Weitermachen, weitersuchen, immer in der Hoffnung, irgendwann angekommen zu sein. Vielleicht finde ich etwas. Später, in 2019.

Was ich 2018 wirklich versucht habe – einfach mal machen. Zugreifen, anfangen, beginnen, nicht alles bis ins letzte Detail planen, nicht zu viel darüber nachdenken. Im letzten Punkt hinkt es noch. Und trotzdem: habe ich das Gefühl, mich einen großen Schritt in die richtige Richtung bewegt zu haben. Mir waren im vergangenen Jahr so viele Möglichkeiten geboten, so viel Platz, so viele Richtungen, so viel Neues. Ich habe überlegt: du hast die Chance nur einmal – nutze sie! Und das habe ich getan. Mehr als einmal, und ja, es macht mich stolz. Auf dass ich es 2019 schaffe, häufiger aus dem Bauch heraus zu handeln und zu entscheiden – es führt so oft auf den besten Weg

 

Blog

Was das Bloggen angeht, war 2018 ein unglaubliches lehrreiches, interessantes, sehr flatterhaftes Jahr. Es ist einiges passiert, positives, negatives, und  so manches, das ich nicht in diese beiden Kategorien einzuordnen weiß.

In den Januar konnte ich das geniale Instagram-Engagement aus dem Dezember mitnehmen, viele Herzchen, viel Traffic, es hat echt Spaß gemacht. Dann, im Februar, hatte ich mit dem ersten Reichweitenabfall zu kämpfen, den ich mir nie auch erklären können sollte, gleich darauf begann auch schon meine erste eigene Nailchallenge, die ich mir gemeinsam mit Justine überlegt hatte. Sie ging bis in den März hinein, danach durfte ich zum ersten Mal mit ANNY kooperieren. Dann bekam ich ein neues Handy und beschloss, gleichzeitig etwas an meinen Fotos und meinem Feed zu ändern, ließ vom Posten in Dreierreihen ab und wählte ein gemischtes Muster, das ich noch bis vor kurzem verfolgt habe. Auf dem Blog ging es bis zu diesem Zeitpunkt um Verschiedenes, oft natürlich Nagellack, die ein oder andere Review. Bis ich Ende April auf eine eigene Domain umzog – es entwickelte sich schließlich eine Tendenz zu nachdenklichen, kritischen Beiträgen, genau die Sorte, die ich mittlerweile fast einzig und allein schreibe. Im Frühjahr und Sommer verbesserte sich mein Instagram-Engagement wieder, zur selben Zeit durfte ich ein erstes PR-Sample von essie vorstellen (dem bis jetzt zwei weitere folgen sollten, was war und bin ich stolz und glücklich darüber!). Dazwischen streute ich einige Eindrücke meiner freundlichen Zusammenarbeit mit Pink Gellac und myposterde, wobei letztere mir ermöglichten, ein erstes Giveaway auszurufen. Als der Sommer endete, entdeckte ich Lettering wieder für mich und begann, vereinzelt Fotos meines Bullet Journals zu posten, die sich dann auch in Blogbeiträgen wiederfanden. Mein Feed auf Insta wurde experimenteller, dunkler und herbstlicher, in letzter Zeit habe ich auch ein, zweimal Food-Fotos gepostet, während meine Beiträge auf dem Blog immer gedankenverwirbelter und szenischer wurden. In den letzten Wochen hat meine Posting-Frequenz dann nachgelassen, bis ich mir nach Weihnachten eine Instapause verordnet habe – auf unbestimmte Zeit. Ich denke, ich brauche ein neues Konzept … und irgendwie neue Motivation. Der Algorithmus verspricht nämlich leider keine. Auf dem Blog geht es voraussichtlich normal (im zwei-Wochen-Takt) weiter.

Ich hatte wirklich oft mit meiner Reichweite, meinem Engagement und dem Gefühl von Desinteresse zu kämpfen. Aber – auch, wenn ich unter meinen Blogbeiträgen nur wenige Kommentare verzeichnen konnte: waren diese ehrlich und oft wirklich rührend und berührend, und das ist so unglaublich wertvoll für mich. Ich danke euch.

 

Ausblick

Und als dann der Neujahrsmorgen anbricht, fühle ich nichts. Nichts Besonderes, keinen Zauber des Neubeginns, einfach nichts, und schließlich die Enttäuschung deswegen. Erinnere mich an die strahlenden Farben des Feuerwerks um Mitternacht, mit dem wir das neue Jahr begrüßt haben, resigniert wie immer und irgendwie schon wissend, dass sich mit einem neuen Tag auch diesmal nichts einfach ändern würde, aber – gleichsam hoffnungsvoll. Ich gehe zum Fenster und blicke hinaus. Feuerwerksqualm liegt in der Luft, der Geruch von Schwefel, unten auf der Kreuzung: vereinzelt ein paar Böllerreste, weil die beiden Jungs mit ihren vielen Batterien gestern nicht gekommen sind wie die Jahre zuvor. Wende mich ab und überlege, was heute zu tun ist, ohne Neujahrsvorsätze und frische Gefühle, ganz einfach wie immer.

Ich erledige dann also, was eben gemacht werden muss, und während ich tippe und schreibe und pinsele, horche ich in mich hinein. Erwartungsvoll, weil diese winzige Hoffnung nicht verschwinden will, und dennoch ist das einzige, was ich vernehmen kann, wieder diese Ruhelosigkeit. Es fühlt sich komisch an. Falsch. Ich könnte nicht erklären, warum, aber etwas stimmt nicht, passt nicht zusammen, so war es die letzten Wochen doch schon. Nein, 2018 war zum Schluss nicht nett zu mir. Aber – da ist doch noch diese Hoffnung. Bitte, 2019, nimm dieses Gefühl aus meinem Herzen und ersetze es durch Glücksmomente, durch Geborgenheit. Lass mich ankommen, zumindest an einem sicheren Platz zum Rasten. Ich bin doch schon so lange auf dieser Reise.

 

Mein Rückblick aus dem letzten Jahr.

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