ARCHITEKTEN oder: wer ich eigentlich bin

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Ich bin Architektin, bin einsam an der Spitze, und wo es einsam ist, hat man Zeit zum Denken.

  

Mir wird oft gesagt, dass ich zu viel nachdenke. Und ab und zu frage ich mich, ob das stimmt, ich meine, ich habe schon so viele Beiträge verfasst, so viele Texte geschrieben darüber, wie es wäre, frei zu sein, nicht physisch frei, sondern seelisch. Grenzenlos. Vielleicht erinnert ihr euch. Und ich dichte darüber und schreibe alles nieder und trotzdem rennen meine Gedanken panisch umher in einem Gefängnis, gerahmt von unsichtbaren Grenzen, die mir erzählen, sie wären mein Verstand. Und andere Leute fragen mich, wenn ich mir Freiheit wünsche, warum ich dann nicht einfach tue, was ich sage? Ich will einfach mal machen können, könnte ich das denn nicht, indem ich einfach mal mache? Und dennoch. Ich hinterfrage jeden Schritt, den ich tue, ich denke etwas, und dann überlege ich, wieso. Halte mich selbst auf in der Umsetzung meiner Wünsche, meiner Ideen, indem ich ausharre in einem Zustand zwischen Erfüllung und Aufgeben, hänge Träumen nach, die faszinierend sind und gleichsam unrealistisch, ich denke. Ständig. Vielleicht zu viel. Was ist der Sinn des Lebens? Wo gehöre ich hin? Wann bin ich wirklich angekommen?

 


Einsamkeit. Ein Unterschied zum Alleinsein, ich bin gerne alleine, das ist eine Entscheidung, das ist, wenn man von Menschen genervt ist und sich selbst genug sein kann, mal für wenige Stunden, mal für Tage. Man kann so lange allein sein, dass düstere Bildschirme zu hell und die kleinste Lautstärke am Handy störend laut werden, aber das meine ich nicht. Wenn ich sage, ich fühle mich einsam, dann sage ich, dass mich niemand versteht. Dass niemand so denkt, wie ich es tue, dass niemand mit mir denkt. Mit mir spricht und mit mir schreibt. In meinem Tempo neben mir herläuft und das Leben genauso sieht wie ich. Der mich nachts leise flüsternd fragt: Was ist der Sinn des Lebens? Wo gehöre ich hin? Wann bin ich angekommen? 

  

Mir wird nachgesagt, egoistisch zu sein – das stimmt nicht unbedingt. Ich bin idealistisch und glaube an keine höhere Gewalt mit Ausnahme meiner selbst.

  

Oh ja. Sie sagen oft, dass ich nur an mich denke, dass ich von so vielen Gedanken in meinem Kopf keinen einzigen an andere verschwende. Das stimmt nicht, keineswegs, und genauso wenig tut es mir leid, dass es manchmal wohl so scheint. Ich halte grundsätzlich nichts von Menschen. Von niemandem. Nicht von dir, nicht von mir, nicht von euch, von niemandem. Genervt, wie ich von anderen Meinungen schnell bin, agiere ich also zu meinem persönlichen Vorteil. Jeder tut das. Nicht alle geben es zu, die einen nur gegenüber anderen, manch einer jedoch belügt sich selbst. Menschen handeln aus Eigennutz. So etwas wie Nächstenliebe gibt es nur im selben Maß, wie es Eigenliebe gibt. So denke ich, danach handle ich, und wenn ihr die Menschen fragt, von denen ich behaupten würde, sie wären mir wichtig, dann können sie bestätigen, dass sich das so anfühlt.

  


Ich bin Architektin, das heißt, in mir streitet eine Realistin, eine Zynikerin mit einer abgehobenen Träumerin, einer Visionärin. Scheinbar unvereinbar, wohl zu kontrovers, aber das bin ich eben. Und: wenn ich so spreche, stehe ich an der Position einer Suchenden. Bin stetig auf der Suche nach Sinn, nach Erfüllung, nach Ablenkung, nach einem Ziel. Versuche, zu lernen. Frage und erfrage. Was ist der Sinn des Lebens? Wo gehöre ich hin? Wann bin ich angekommen?

Und du? Wer bist du?

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