Frühlingswind

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Ich sitze an meinem Schreibtisch, neben mir ein geöffnetes Fenster, frische Luft, die nach Neubeginn duftet, nach Sonne und Wärme. Tippe, das Klackern der Tastatur mischt sich mit den Autogeräuschen in der Ferne und hellem Vogelgezwitscher zu einer Sinfonie, die Wörter fließen aus mir heraus, endlich wieder nach so langer Zeit. Alles ist leicht, fängt zumindest gerade an, es zu sein, meine Seele lässt sich davontragen in den Himmel. Frühlingswind.

 

 

Stehe dann auf, gehe hinaus, einige Schritte über die Wiese im Hof, das Gras unter meinen Füßen ist grün und voll, vor mir: Knospen, die sich öffnen, zartes Blattgrün, das erst im Sommer seine volle Farbe erreicht haben wird, durch feine Blattspitzen strahlt Sonnenlicht hindurch, tanzt über die Äste, das Gras, streift mich, es ist warm auf meiner Haut. Und im Hintergrund singen Vögel, zart und süß, ein Geräusch, das ich nie wirklich wahrgenommen habe. Aber jetzt. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf.

 

 

Es ist hell. Bis vor kurzem war es noch dunkel, frühs lange und abends früh, die Sonne nur matt hinter Wolken zu erkennen, die Tage kurz und düster. Winter. Bedrückend, erdrückend, deprimierend. Und gerade dieses und letztes Jahr hat mich die Dunkelheit so viel Kraft gekostet, ich habe mich eingegrenzt gefühlt und festgehalten, als ich doch nur loslassen wollte, und ich habe gewartet, gewartet auf ein Ende, darauf, dass es wieder hell wird. Jetzt endlich. Jetzt ist Frühling.

 

 

Ich wünsche mir: Hoffnung. Mal wieder. So oft. Eigentlich immer. Ich wünsche mir, glücklich zu sein, dass der Frühling Freude mit sich bringt, die Vorfreude zumindest auf den Sommer, auf lange Nächte und Hitze und kühles Wasser und saftiges Grün, auf das Glück, das noch kommt, noch kommen muss. Ich wünsche mir, die Sanftheit des Frühlings genießen zu können, aus ewiger Kälte aufzutauen, gewärmt von der Sonne, von Strahlen, die noch an Kraft gewinnen werden –

wünsche mir, dass die Wärme in mein Herz dringt und mich erfüllt. Hoffnung, ganz leise, nur ein Flüstern im Wind, der sanft über die Welt streicht. Frühlingswind.

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