Kämpferherz – weil alles zählt

Niedergänge, Rückschläge, Enttäuschungen. Auf dem Weg nach oben oder aber einfach nur nach vorne liegen so viele Steine, links und rechts des Pfades gähnende Abgründe voll Leere. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich für jeden Schritt nach vorne gleich drei zurücktreten, seit Ewigkeiten gesetzte Ziele zu erreichen scheint so oft unmöglich. Und doch. Ich mache weiter, einfach weiter, muss weitermachen. Kämpfen ist schwer, anstrengend, und trotzdem ist es das Beste und Einzige, was ich tun kann. Immer, für immer. Kämpferherz.

Vor fast zwei Jahren erklärte einer meiner damaligen Lehrer im Unterricht, ein Blog sei so etwas wie ein Onlinetagebuch, ähnlich einem solchen, das viele offline führen. Ich sprach mich dagegen aus, war der Meinung, dass Blogs vielmehr kreative, inspirierende Plattformen waren, wenn auch gespickt mit Dingen aus dem Leben des jeweiligen Influencers. Mittlerweile kann ich seine Aussage unterschreiben. Ich denke so viel nach und das teile ich hier, ich führe kein Tagebuch, habe ich nie getan, aber ich schreibe mir hier meine Gedanken von der Seele. Und ihr seid alle eingeladen, mitzulesen und eure eigene Meinung über meine Texte zu bilden, und das – das macht meinen Blog aktuell aus. Lest diesen Beitrag also wie einen Tagebucheintrag von mir an mich.

 

 

Sei ausdauernd.

Ein typischer Morgen, ich muss gleich los in die Schule, davor noch schnell auf Instagram posten, Routine eben. Fünf Minuten später und eigentlich schon auf dem Sprung werfe ich noch einen Blick auf das Bild, kaum etwas hat sich getan. Das Engagement hält sich in Grenzen, und mühsam verdränge ich die Tatsache, dass es bei manchen Accounts komplett anders ist, siebzig Likes nach keinen zehn Minuten vielleicht, davon könnte ich nur träumen. Egal. Am Nachmittag checke ich den Post wieder, und wie so oft werden meine Hoffnungen enttäuscht, wieso eigentlich – früher gab es doch Zeiten, da waren 500 Likes und unzählige Kommentare unter jedem Foto normal für mich …

… mag sein. Aber der Weg nach oben ist steinig und Erfolg, wirklicher Erfolg, ist eine Treppe und keine Tür. Es dauert seine Zeit, diese Treppe zu erklimmen, Stufe für Stufe. Und dabei Rückschläge einzustecken. Zu stolpern. Aber es wird besser, bestimmt, ich will und muss Ausdauer beweisen. Und Geduld. Nichts geht einfach so von heute auf morgen, wenn ich mir Zeit gebe, kann ich wachsen und dazulernen und irgendwann werde ich zufrieden damit sein, oder auch nicht – und dann weiterkämpfen. Mich niemals auf imaginären Lorbeeren ausruhen.

 

 

Verzeihe Fehler.

Springstunde, Anreiten eines In-Outs. Schon beim Absprung merke ich, dass da etwas nicht passt, wir waren zu schnell und jetzt geht die braune Stute, die ich reite, auf groß. Zu groß, nimmt beide Cavalettis in einem riesigen Satz, unvorbereitet, wie ich bin, liege ich keine drei Sekunden später im Sand. Aufstehen, aufsitzen, weitermachen. Neu anreiten, diesmal passt es. So habe ich es immer gemacht, beim Reiten, beim Skifahren, egal. Aufstehen und weitermachen. Nichts passiert. Trotzdem nagt es an mir, das war mein Fehler, wir waren zu schnell, ich hatte die Zügel nicht dran. Ärgerlich. Ich hasse solch kleine Fehler.

Ich hasse sie wirklich. Aber sie sind da, ab und zu, sie müssen sein. Niemand ist perfekt. Und irgendetwas ist immer, das habe ich gelernt. Ich bin Perfektionistin und unsagbar ehrgeizig und möchte mir gegenüber jetzt endlich einmal mit der Vorschrift aufhören, dass ich alles, was ich anfange, perfekt machen muss. Eine Vorschrift, die ich mir selbst auferlegt habe. Ohne Grund. Fehler sind natürlich und, was so viel wichtiger ist – ich muss lernen, sie zu akzeptieren, mehr noch, sie als Chance zu sehen. Was diesmal nicht geklappt hat, wird das sicher beim nächsten Mal, oder dem Mal danach. Einfach mal machen und nicht zu viel darüber nachdenken und die kleinen Fehler Fehler sein lassen und erkennen, dass es in Ordnung ist, unvollkommene Dinge zu tun. Diese Unvollkommenheit macht sie nämlich aus, die wirklich wahre Perfektion.

 

 

Vergleiche dich nicht.

Stundenende. Anstatt endlich den von mir anvisierten Oxer zu springen, geht es nochmal an etwas Neues – die In-Out-Reihe wird länger, ein drittes Cavaletti gesellt sich dazu. Und mein Pferd? Springt nicht. Trab, Galopp, egal. Erst beim vierten Versuch kommen wir einigermaßen passabel darüber. Nicht mal annähernd flüssig. Alle anderen haben es doch auch geschafft, obwohl keines der Pferde mit der Konstruktion vertraut war, oder? Wir nicht, dieses Mal. Beim Abtraben, unter mir dehnt sich die große Braune schön ab, fällt mir wieder ein, was ich mir und ihr still versprochen hatte: Vergleiche dich nicht mit anderen. Wir machen das als Team. In unserem Tempo. Weil wir beide Fehler machen und nicht perfekt sind. Aber das braucht Übung und Training und beides benötigt Zeit. Zeit, die ich uns geben muss. Nach Stundenende sitze ich ab. „Team?“, flüstere ich fragend und klopfe ihr sanft den Hals. Team.

Es wird immer jemanden geben, der besser ist als ich. Immer, überall. Obwohl ich so oft mein gesamtes Denken und Handeln darauf ausrichte, die „Beste“ zu sein. Mit den besten Noten in der Schule, den schnellsten Zeiten beim Sport, die, die am besten reitet und die mit den meisten Kooperationen oder der größten Blogreichweite oder … das ist so ein Quatsch. Gerade letztere. Und – es ist ganz einfach so eine Bürde, liegt so schwer auf den Schultern oder wie ein Stein auf dem Herzen, und am meisten tut es weh, weil es so unnötig ist. Dennoch aber etwas, das mich ausmacht, etwas, das ich vor allem nicht einfach abstellen kann. Dieses ständige Vergleichen. Ich wünsche mir so sehr, endlich davon ablassen zu können. Vielleicht gelingt mir das eines Tages.

 

 

Danke, du geduldiges Online-Tagebuch, dass du mir zugehört hast. Und danke an euch da draußen, dass ihr mitgelesen und vielleicht etwas mitgefühlt habt, euch ein wenig wiedererkennt in all diesen Worten. Es ist so schön, zu wissen, dass es euch gibt, die sich dafür interessieren, was ich hier tue. Danke.

 

 

2 Kommentare bei „Kämpferherz – weil alles zählt“

  1. Wow alice…wie du schreibst deine art und weise…es ist so fesselnd und so tiefgehend ich hab mich gefühlt als würdest du mir direkt aus dem herzen sprechen…nicht was das bloggen angeht aber den alltag! Vielleicht sollstest du dich mal etwas größerem widmen und etwas neues ausprobieren wenn der Alltag für sich so gleich aussieht wie zum beispiel einem buch! Bei deinem Schreibstil…das würde bestimmt sehr gut ankommen:)

    1. Vielen Dank für deine unglaublich lieben Worte – es ist so schön, zu hören, dass du dich mit meinen Texten identifizieren kannst ♥ Ich habe tatsähclich schon darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben, weiß aber nicht, ob so ein Projekt nicht doch eine Nummer zu groß wäre … aber danke.

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