Nur kurz unbeschwert und losgelassen durch die Welt tanzen

Mal frei sein, unbeschwert sein, mal alle Sorgen vergessen, sie ganz einfach hinter sich lassen. Über allem stehen, nur kurz, alles ausblenden, die Augen schließen, lächeln, Glücksgefühle. Loslassen von Pflichten und überhaupt von allem, vom Alltag, loslassen und durch die Welt tanzen, als gäbe es kein Morgen, dabei träumen, träumen, als wäre das Leben ewig. Mal einfach nur leben. Nur kurz. Komplett frei sein für diesen einen Moment. Sommer.

 

 

Ich lehne meinen Kopf an die Scheibe im Bus, blicke aus dem Fenster, Musik in den Ohren, schon die ganze Zeit, Charts und KPop und Klassik und was ich sonst alles eben höre. Draußen die Landschaft, ganz weit auf einmal, weit, wie es nur auf dem Land zwischen Dörfern sein kann, diesen Dörfern, in denen verstreut meine Freunde lebten, bis sie in noch kleinere Orte zogen. Felder, sonnengelb und verdorrt, die sonst grünen Wiesen am Waldrand braun. Stoppelfelder. Wir fahren durch Ortschaften, mal sind da ältere Häuser, mal Neubauten, diese modernen in Weiß mit hellem Pflaster vor dem Eingang. Eine Freundin wohnt in so einem Haus, ja, genau die, die im November wieder Geburtstag feiern wird, wenn es kalt ist und draußen schnell dunkel wird und es drinnen Raclette und Schokofondue gibt. Das ist in ein paar Monaten, und jetzt ist Sommer.

 

 

Denke weiter. In ein paar Tagen, am Wochenende wahrscheinlich, was aber egal ist, da in den Ferien, gerade in sechs Wochen Sommerferien, die Wochenenden an Bedeutung, die Montage an Grauen und die Sonntage an Einsamkeit verlieren, treffe ich mich mit einer anderen Freundin. Einfach, weil es Ferien sind und wir Wii spielen oder im Pool schwimmen oder Crêpes essen können ganz ohne Latein und Mathe, endlich einmal. Kein Stress, nur wir und die Sonne und die Hitze und ein Gefühl von Zufriedenheit. Sommer.

 

 

Diese tiefe Zufriedenheit – die, zugegebenermaßen, nicht tief ist, weil sie von kurzer Dauer ist, ein Hoch, so verräterisch wie ein Drogenrausch, ein High, das ein Down nach sich zieht – fühlt sich an, als wäre alles perfekt. Als wäre sie für immer. Und doch dauert dieses Gefühl einen Abend, einen Tag, vielleicht eine Woche, nein, eher weniger. Irgendwie hatte ich es früher öfter. Als ich noch jünger war, vielleicht habe ich weniger nachgedacht und einfach mehr gelebt und das jetzt einfach verlernt. Diese Zufriedenheit schwindet, wird weniger, ich halte mich dennoch daran fest, will keine Leere stattdessen, hoffe doch nur, dass dieses Gefühl bleibt. Nicht irgendwann ganz weg ist.

 

 

Und vielleicht ist das das Geheimnis. Nichts bleibt wirklich beim Versuch, es festzuhalten, es nicht gehen zu lassen, wie es will, es dann auch nicht kommen zu lassen, wann es will. Gerade Emotionen, flüchtig und so schnell wieder weg – also lebe ich. Weil Sommer ist und man einfach in den nächsten Tag hineinleben kann, weil die Sonne sowieso immer scheint und Sommergewitter nicht schlimm, sondern wunderschön sind. Gedanken aus, Kopfhörer rein, Musik an. Und zwar ganz laut und die ganzen coolen Songs, deren Rhythmus mich unwillkürlich zum Mitwippen bewegt oder zum Tanzen. Ja, tanzen, tanzen zu Musik und tanzen durchs Leben, einfach weil ich das gerade will. Frei, unbeschwert, losgelassen.

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