Sich selbst Erfolg zugestehen

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Erfolg. Definitionssache? Eigentlich schon. Und facettenreich, besonders das – beruflicher Erfolg, Erfolg in der Schule, in der Liebe, allgemein im Leben und allgemein anerkannt wohl ziemlich wichtig. Erfolg ist in unserer Gesellschaft schon zu einer Art Währung geworden, mit welcher Bewunderung erkauft werden kann. Aber wie soll eine Währung funktionieren, wenn ihr Wert doch so sehr im Blick eines einzelnen auf sich selbst schwankt?

 

 

Wenn Erfolg also Definitionssache ist, wer sagt dann, ab wann man sich selbst als erfolgreich bezeichnen kann? Ab wann man es geschafft hat und die Lorbeeren für seine Mühen ernten kann? Ich bin unschlüssig und weiß es selbst nicht, wusste es nie so genau, eigentlich. Prinzipiell gesehen ist eine gute Leistung ein Erfolg. Gut zu sein. Besser als viele, aber nicht unbedingt als alle, oder? Es gibt ja doch immer einen Besten, dessen Posten man interessanterweise nie selbst bekleidet – das ist, wie Lotto zu spielen, und alle Bücher erzählen von Gewinnern, wer schließlich würde die Geschichte eines jenen lesen wollen, der eine Niete gezogen hat? Rangfolgen. Ordnung.

 

 

Ich persönlich war und bin immer der Meinung, wann immer es eben jemanden gibt, der im zu bewertenden Bereich besser war – und ich selbst demzufolge schlechter – ist letzteres kein Komparativ mehr und ganz einfach gleichbedeutend mit schlecht. Und ganz oben zu stehen und die beste Leistung gebracht zu haben, ist dann „gut“. Oder, das kommt darauf an, gerade eben gut genug. Da ist es wieder, dieses Wort, was ist denn genug? Ich weiß es immer noch nicht, aber kann sagen, dass Perfektion genug wäre, was als Motivation zu reichen scheint, um mich einem unerfüllbaren Wunsch hinterherhasten zu lassen. Niemand kann überall am besten sein, geht nicht, existiert nicht. Unmöglich. Ich wäre es so gerne trotzdem.

 

 

Kann man Erfolg von Erwartungen abhängig machen? Wenn Leistung gefragt ist, dann stehen davor Überlegungen, irgendjemand hofft, wünscht oder will immer irgendetwas, ganz egal, ob man selbst das ist oder eine andere Person, alternativ kann man ganz „rational“ Trendextrapolationen anstellen und auf den wahrscheinlichsten Ausgang schließen. Am Ende lässt sich dann feststellen: besser als erwartet? Oder schlechter? Oder gleich? Und danach steht die Entscheidung über Erfolg und Zufriedenheit oder Enttäuschung. Und: ich will doch niemanden enttäuschen. Am allerwenigsten mich selbst – aber gerade jetzt redet doch sowieso niemand mehr Klartext. Gebrauchswertanalysen und Erwartungsinterpretationen vor dem (imaginierten) gedanklichen Hintergrund einer anderen Person als der eigenen tun weh. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in letzter Zeit das drängende, unangenehme Gefühl hatte, irgendjemanden enttäuscht zu haben. Nicht genügt zu haben. Welchen Anforderungen auch immer.

 

 

Und von Zeit zu Zeit flüstert eine leise Stimme irgendwo in meinem Kopf mir zu, es wäre in Ordnung. Egal, was ich geleistet habe, ob es subjektiv gesehen gut oder schlecht oder irgendetwas dazwischen war, es wäre okay. Einfach, weil es ist, wie es ist, und weil ich mein Bestes gegeben habe, weil ich das immer tue, im Bestreben, Erfolg zu haben. Es ist gut genug, und es war auch wirklich ich, die das erreicht hat. Die anderen waren nicht „total schlecht“, niemand hat beschlossen, mich „netter“ zu bewerten, die Anforderungen waren für alle gleich und in diesem Moment liegt es an mir, dass ich gut war. Oder „schlecht“. Wie gesagt: letztendlich ist es egal.

 

 

Weil Erfolg doch eigentlich viel simpler ist und gleichzeitig so viel mehr bedeutet. Mit sich selbst zufrieden zu sein. Akzeptieren, wie weit man es geschafft hat, was man geleistet hat. Und wissen, dass es genug ist. Selbstzufriedenheit. Wie sich das anfühlt, weiß ich nicht, aber ich glaube, es ist wahrer, echter und vollkommener, als jedes fremde Wort der Anerkennung es sein könnte –

weil Anerkennung nur von innen kommen kann. Und ich eines Tages stolz sein werde, weil ich dann wirklich verstehe, was Erfolg bedeutet.

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