Hallo, Herbst.

Etwas Besonderes, auf das ich dieses Jahr so lange gewartet habe, unwissend, wieso überhaupt – klar, Sommer ist schön, wirklich, Sonne, Hitze, manchmal lästige über-dreißig-Grad, Ferien, Urlaub, ein bisschen loslassen und etwas Freiheit. Aber gerade jetzt will ich den Herbst. Ich habe noch nie ein so starkes Verlangen nach Gemütlichkeit und Kuscheldecken und regnerischen Nachmittagen und früher Dunkelheit verspürt, und jetzt, wo wir die letzte Woche Temperaturanstieg verabschieden, ist es endlich so weit, dass ich zaghaft winke und in den Wind flüstere: Hallo, Herbst.

Kämpferherz – weil alles zählt

Niedergänge, Rückschläge, Enttäuschungen. Auf dem Weg nach oben oder aber einfach nur nach vorne liegen so viele Steine, links und rechts des Pfades gähnende Abgründe voll Leere. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich für jeden Schritt nach vorne gleich drei zurücktreten, seit Ewigkeiten gesetzte Ziele zu erreichen scheint so oft unmöglich. Und doch. Ich mache weiter, einfach weiter, muss weitermachen. Kämpfen ist schwer, anstrengend, und trotzdem ist es das Beste und Einzige, was ich tun kann. Immer, für immer. Kämpferherz.

staying alive is boring // gegen die Leere ankämpfen

Stille, als ich von meinem Fahrrad absteige, langsam bis zur Haustür gehe und sie aufschließe. Das leise Klappern meines Schlüssels, als er sich im Schloss umdreht, weit entfernt rasen Autos über Asphalt, irgendwo singt eine Frauenstimme. Ich laufe die Treppen hoch, Stufe für Stufe, betrete schließlich unsere Wohnung, wo ich von einem müde rutenwedelnden Hund begrüßt werde. Ansonsten ist niemand da. Stille. Stille, wo vor weniger als zwanzig Minuten die lauten Stimmen meiner Klassenkameraden waren, wo unsere Lehrer Zeugnisse und Jahrbücher verteilten, Stille, wo vorher Leben war. Ich setze mich an den Laptop und beginne, zu tippen, festzuhalten, Worte auf digitales Papier zu bringen. Ein einzelner Versuch, die Leere aus mir herauszuschreiben.

Wenn aus einer Woche ein Monat und aus einem Jahr zwei Tage werden

Vierzehn Tage bis Notenschluss. Sieben Prüfungen in zwei Wochen. Ich habe Zeit für alles und für nichts. Und während ich da so sitze, vor der Caesarlektüre, die ich eigentlich übersetzen sollte, weil wir am Mittwoch Latinum schreiben – stop. Wohin sind diese zwei Schuljahre Latein, immer am Montagnachmittag, so verhasst und trotzdem: Sie werden mir fehlen. Ich habe mich eben daran gewöhnt, in diesen zwei Jahren, von denen ich nicht weiß, wo sie abgeblieben sind. Ein Wimpernschlag, einmal in die Hände klatschen. Die Zeit vergeht so schnell, zerrinnt einem jeden zwischen den Fingern, unaufhaltsam. Warum?