Frühlingswind

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Ich sitze an meinem Schreibtisch, neben mir ein geöffnetes Fenster, frische Luft, die nach Neubeginn duftet, nach Sonne und Wärme. Tippe, das Klackern der Tastatur mischt sich mit den Autogeräuschen in der Ferne und hellem Vogelgezwitscher zu einer Sinfonie, die Wörter fließen aus mir heraus, endlich wieder nach so langer Zeit. Alles ist leicht, fängt zumindest gerade an, es zu sein, meine Seele lässt sich davontragen in den Himmel. Frühlingswind.

Vom Neinsagen

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Ich denke, wir leben in einer Jasager-Gesellschaft. Inmitten von Generalisierung und von Akzeptanz gegenüber Stereotypen und als Fakten angenommene Meinungen der Masse. Und auch die bloße Toleranz, die solchen Unwahrheiten entgegengebracht wird, ist in einer Weise Jasagen. Ja zu scheinbaren Richtlinien, die Zugehörigkeit bewirken, aus Angst, irgendwann ausgestoßen zu sein.

Sich selbst Erfolg zugestehen

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Erfolg. Definitionssache? Eigentlich schon. Und facettenreich, besonders das – beruflicher Erfolg, Erfolg in der Schule, in der Liebe, allgemein im Leben und allgemein anerkannt wohl ziemlich wichtig. Erfolg ist in unserer Gesellschaft schon zu einer Art Währung geworden, mit welcher Bewunderung erkauft werden kann. Aber wie soll eine Währung funktionieren, wenn ihr Wert doch so sehr im Blick eines einzelnen auf sich selbst schwankt?

Von Kontrollverlust und zerstückelter Ordnung

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Kontrolle. Wenn es alleine steht, ein durchaus mächtiges Wort, das so viel bedeuten kann. Unterschiedliche Assoziationen. Überwachung. Fremdbestimmung. Überprüfung. Oder aber: die Sucht, alles bestimmen zu können, alles festzuhalten, die Illusion, sein Leben selbst führen zu können. Und die Angst, alles zu verlieren. Spüre ich tagtäglich, ich – weiß doch nicht, was mir dann noch bleibt. Ich darf diese Kontrolle nicht aufgeben.

overthinking 2018.

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Und da sitze ich wieder. Sitze nur da, mit dem Laptop auf dem Schoß, es ist still. Das einzige Geräusch sind meine Fingernägel, wie sie auf die Tastatur einhacken, das Licht kommt von unserem Weihnachtsbaum, der Bildschirm ist blendend hell gegen die warm-düstere Atmosphäre. Würde mich jemand fragen, wie es mir in diesem Moment geht, würde er wissen wollen, ob ich glücklich bin – ich könnte es nicht sagen. Es sind Weihnachtsferien, vor drei Tagen war Heiligabend, die Zeit zwischen den Jahren liebe ich doch so sehr. Irgendetwas fühlt sich komisch an, falsch, ich kenne dieses Gefühl, aus vorangegangenen Wochen ist es mir vertraut. Ich weiß immer noch nicht, was das sein soll, Hormonschwankungen, Vitamin-D-Mangel, Jahresenddepressionen? Zu tun ist genug. Schule, wie sonst immer auch, ich müsste einiges erledigen, schiebe es wieder auf, Prokrastination vom Feinsten. Sinniere. Vielleicht ist es Angst? Die Angst davor, dass alles neu beginnt, die Angst vor der Zeit, vor ihrem schnellen Lauf, vor ihrer Unaufhaltsamkeit. Dann wende ich meinem Blick wieder dem Laptopscreen zu, bringe Buchstabe für Buchstabe schwarz auf weiß, auf digitales Papier, geleitet vom Drang, endlich alles aufzuschreiben. Zurückzudenken, mich zu erinnern. Zu reflektieren. Wie war 2018 für mich?

Von Freiheit und der Weite der Berge

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Freiheit. Das ist ein großer Begriff, der so viel umfasst, so viel verschiedenes, Freiheit ist ein Traum. Ein Traum davon, denken und sagen zu können, was man will, handeln zu können, wie man selbst es für richtig hält. Freiheit ist für mich das Entfliehen aus Alltag und Realität, das Zurücklassen von temporären Sorgen, über allen Dingen zu stehen, ohne schlechtes Gewissen, und wenn auch nur für den Moment. Freiheit ist mein Traum.

Hallo, Herbst.

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Etwas Besonderes, auf das ich dieses Jahr so lange gewartet habe, unwissend, wieso überhaupt – klar, Sommer ist schön, wirklich, Sonne, Hitze, manchmal lästige über-dreißig-Grad, Ferien, Urlaub, ein bisschen loslassen und etwas Freiheit. Aber gerade jetzt will ich den Herbst. Ich habe noch nie ein so starkes Verlangen nach Gemütlichkeit und Kuscheldecken und regnerischen Nachmittagen und früher Dunkelheit verspürt, und jetzt, wo wir die letzte Woche Temperaturanstieg verabschieden, ist es endlich so weit, dass ich zaghaft winke und in den Wind flüstere: Hallo, Herbst.

Kämpferherz – weil alles zählt

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Niedergänge, Rückschläge, Enttäuschungen. Auf dem Weg nach oben oder aber einfach nur nach vorne liegen so viele Steine, links und rechts des Pfades gähnende Abgründe voll Leere. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich für jeden Schritt nach vorne gleich drei zurücktreten, seit Ewigkeiten gesetzte Ziele zu erreichen scheint so oft unmöglich. Und doch. Ich mache weiter, einfach weiter, muss weitermachen. Kämpfen ist schwer, anstrengend, und trotzdem ist es das Beste und Einzige, was ich tun kann. Immer, für immer. Kämpferherz.

staying alive is boring // gegen die Leere ankämpfen

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Stille, als ich von meinem Fahrrad absteige, langsam bis zur Haustür gehe und sie aufschließe. Das leise Klappern meines Schlüssels, als er sich im Schloss umdreht, weit entfernt rasen Autos über Asphalt, irgendwo singt eine Frauenstimme. Ich laufe die Treppen hoch, Stufe für Stufe, betrete schließlich unsere Wohnung, wo ich von einem müde rutenwedelnden Hund begrüßt werde. Ansonsten ist niemand da. Stille. Stille, wo vor weniger als zwanzig Minuten die lauten Stimmen meiner Klassenkameraden waren, wo unsere Lehrer Zeugnisse und Jahrbücher verteilten, Stille, wo vorher Leben war. Ich setze mich an den Laptop und beginne, zu tippen, festzuhalten, Worte auf digitales Papier zu bringen. Ein einzelner Versuch, die Leere aus mir herauszuschreiben.