Ich war hier

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Der Wunsch nach Geltung. Das Verlangen, irgendetwas zu hinterlassen, einen Beweis, dass man etwas getan hat, etwas bewirkt hat, Menschen bewegt, Schicksale verändert. Dass man existiert hat. Hier war. Dass die Welt auf ein wirkliches Vermächtnis eines einzelnen zurückblicken kann, irgendetwas davon hat, dass man einst gelebt hat, irgendwo, irgendwie. Vielleicht ist das wieder der Wunsch nach Sinn – wenn ich diesen subjektiv nicht finden kann, dann will ich ihn einem anderen schenken, weil das wieder Sinn für mich versprechen kann. Oder so. Und vielleicht ist es ganz einfach die Angst: vor dem Vergessenwerden.

Existenzblockade

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Ich will schreiben, finde aber keine Worte, finde keinen Fluss, will Buchstaben aneinanderreihen, die mehr ergeben als keinen Sinn, die mehr erzählen, die überhaupt erzählen, irgendetwas aussagen. Ich will schreien, so laut, so lange, bis ich nicht mehr kann, schreien, bis es leise ist, die Stille aus mir herausschreien, damit ich wieder laut sein kann. In mir ist nichts, das sein könnte, aber trotzdem ist da etwas. Eine Blockade. Existenzblockade.

Ich fühl’ mich eingegrenzt // ein wenig Kritik am deutschen Schulsystem

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Donnerstagmorgen, kurz vor sechs Uhr. Ich sitze an meinem Schreibtisch, lose eine Fleecedecke über die Schultern geworfen, weil es kalt ist, so früh, daneben brennt eine kleine Leuchte in warmem Licht, wirft harte Schatten in mein Zimmer. Sonst ist es still. Vor mir liegt kariertes Papier, kleinteilig beschrieben mit Formeln, Gleichungen, Graphen. Ich seufze. Schüttele dann den Kopf und versuche, mich wieder auf Mathematik zu konzentrieren, gehe alles wieder und wieder durch und werde dieses beunruhigende Gefühl trotzdem nicht los. Matheschulaufgabe in der ersten Stunde.

Von Freiheit und der Weite der Berge

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Freiheit. Das ist ein großer Begriff, der so viel umfasst, so viel verschiedenes, Freiheit ist ein Traum. Ein Traum davon, denken und sagen zu können, was man will, handeln zu können, wie man selbst es für richtig hält. Freiheit ist für mich das Entfliehen aus Alltag und Realität, das Zurücklassen von temporären Sorgen, über allen Dingen zu stehen, ohne schlechtes Gewissen, und wenn auch nur für den Moment. Freiheit ist mein Traum.

staying alive is boring // gegen die Leere ankämpfen

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Stille, als ich von meinem Fahrrad absteige, langsam bis zur Haustür gehe und sie aufschließe. Das leise Klappern meines Schlüssels, als er sich im Schloss umdreht, weit entfernt rasen Autos über Asphalt, irgendwo singt eine Frauenstimme. Ich laufe die Treppen hoch, Stufe für Stufe, betrete schließlich unsere Wohnung, wo ich von einem müde rutenwedelnden Hund begrüßt werde. Ansonsten ist niemand da. Stille. Stille, wo vor weniger als zwanzig Minuten die lauten Stimmen meiner Klassenkameraden waren, wo unsere Lehrer Zeugnisse und Jahrbücher verteilten, Stille, wo vorher Leben war. Ich setze mich an den Laptop und beginne, zu tippen, festzuhalten, Worte auf digitales Papier zu bringen. Ein einzelner Versuch, die Leere aus mir herauszuschreiben.