Von Freiheit und der Weite der Berge

Freiheit. Das ist ein großer Begriff, der so viel umfasst, so viel verschiedenes, Freiheit ist ein Traum. Ein Traum davon, denken und sagen zu können, was man will, handeln zu können, wie man selbst es für richtig hält. Freiheit ist für mich das Entfliehen aus Alltag und Realität, das Zurücklassen von temporären Sorgen, über allen Dingen zu stehen, ohne schlechtes Gewissen, und wenn auch nur für den Moment. Freiheit ist mein Traum.

 

 

Und Geschichten erzählen, die das Leben uns zuschiebt und wir, wir streichen das Ende durch und schreiben es neu. Einfach so, weil wir können, und weil das nicht alle Grenzen aufhebt – aber grenzenlos ist vielleicht nicht gleich gut und was doch viel schöner ist, ist, was man erlebt. Für sich, in seiner Geschichte, in seiner Definition von Freiheit. Ich mein – eigentlich können wir alle fliegen, aber der Glaube dran ist, was zählt, weil er Unmögliches möglich macht. Und wenn wir dran glauben, sind wir frei. Grenzenlos.

 

 

Ein kurzer Ausschnitt beziehungsweise das Ende einer meiner aktuellen Slamtexte (ich schreibe spoken word-Texte, stellt auch das also ein bisschen … gesprochen vor), ich erinnere mich noch genau, wie ich vor knapp zwei Wochen auf der Bühne stand und mir beim Vortragen dieses letzten Absatzes Tränen in den Augen standen. Noch nie so voller Inbrunst gelesen, weil ich diese Worte in diesem Moment so sehr gefühlt habe. Weil das meine Botschaft ist, weil ich am liebsten über Emotionen schreibe und über das, was ich empfinde, und manchmal fühl‘ ich mich so eingegrenzt. Und wünsche mir Freiheit.

 

 

Nein, ich will nicht den Weltfrieden, das Ende jeglicher Diktaturen, bitteschön, das kann ja gerne sein, aber – eigentlich etwas trivialeres. I have a dream, ist doch letztendlich egal, worauf man diesen Wunsch nach Freiheit anwendet. Eigentlich will ich mich nur selbst befreien, aus einem Netz aus eigen- und fremdbestimmten Normen und Werten, weniger Perfektion, weniger schlechtes Gewissen, mehr einfach nur sein. Leben.

 

 

Ich setze mich so oft selbst unter Druck, muss immer die Beste sein, wünsche mir Perfektion, wo es keine gibt und auch nie geben kann, weil nichts perfekt ist. Auf dem Blog finden sich schon einige Beiträge über das Thema, zum Beispiel hier oder hier, mir ist erst in letzter Zeit klar geworden, dass das alles nur einen Wunsch nach Freiheit darstellt. Frei sein von ständiger Selbstbeurteilung.

 

 

Das kann nicht für Dinge gelten, die mir wichtig sind oder allgegenwärtig – Reiten, Bloggen, Schule, nie im Leben könnte ich mich von meiner Erfolgsorientierung distanzieren. Aber: wenn mir etwas von vornherein egal ist, klappt es so viel besser. Das sind die Dressurstunden, die wundervoll laufen, der Deutschaufsatz, der als Musterlösung an die Klasse verteilt wird, der gedankenschwere und trotzdem nur schnell am Vorabend eingetippte Blogbeitrag, der die Klickzahlen in die Höhe schießen lässt.

 

 

Das sind Sportarten, von denen ich nichts erwarte. Besonders das Skifahren, obwohl ich das schon so lange mache. Aber eben nur sporadisch. Weil es Spaß macht, weil ich eben gerne über Pistenbegrenzungen springe, falsch gelandet, Nase im Schnee, auf und weiter geht’s! Wer mit mir fährt, nennt mich Kamikaze-Alice, ich finde es auch komischerweise viel cooler, immer die zu sein, die im Tiefschnee landet oder gegen einen Baum fährt, als meine Technik zu perfektionieren.

 

 

Vielleicht liegt das auch daran, dass es so viel schöner ist, einfach das Tempo und den scharfen, kalten Fahrtwind auf der Haut zu spüren, während man einen Hang herunterrast, ganz eins mit dem Schnee und den Bergen. Auf dem Pferderücken im Galopp für Sekunden die Augen zu schließen und zu spüren, wie die Bewegungen zweier Lebewesen perfekt zusammenpassen. Auf dem Gipfel eines Berges stehen und ins Tal blicken, oben gibt es kein Netz, abgeschnitten vom Rest der Welt, ein Foto schieße ich trotzdem. Wir sind von ganz da unten gekommen. Und können jetzt alles überblicken. Alle Sorgen, einfach weg: im Tal gelassen. Während des Aufstieges abgeworfen, Stück für Stück. Lebe dann nur im Moment, denke nicht an gestern, morgen, letztes Jahr oder nächste Woche. Berge haben immer eine gewisse Freiheit versprochen.

 

 

Also: träume ich. Freiheit ist ein Traum. Und ich, ich möchte endlich grenzenlos sein.

 

 

Die Fotos in diesem Beitrag sind teilweise aus unserem Sommerurlaub in Österreich, manche aber auch aus Italien, das war im März (Skifahren!), und von letzterem habe ich nur Storyscreenshots in der Qualität, wie sie mein altes Handy eben hatte. Aber zeigen wollte ich sie trotzdem.

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