Was ich selbst kann, soll, will

Eigentlich kann ich sehr viel oder zumindest einiges, auch, wenn ich mich manchmal fühle, als wäre ich einfach zu nichts fähig, oder, noch schlimmer, es brächte einfach nichts. Ich muss so viel. Fühle Druck auf mir, soll einiges tun, manches nicht. Und ich will noch mehr, ganz viel, so viel mehr. Wünsche. Träume in den Tag. Will forschen, entdecken. Meinen sicheren Hafen verlassen, den Wind in meinen Segeln fangen.

Wisst ihr, so ein Blog, das kann auch mal ein Tagebuch sein. War es einst, wie ich denke, nur und allein, bevor wir kamen, mit den ganzen Mode-, Fashion-, Beauty-, DIY-, Nailblogs eben. Und manchmal ist auch mein Blog ein Tagebuch. Manchmal muss man sich Dinge von der Seele schreiben. Also, ihr müsst das nicht lesen, wenn ihr nicht wollt, vielleicht interessiert es euch nicht. Oder aber ihr nehmt den kleinen Einblick in meine Welt wahr und denkt und philosophiert ein wenig mit mir.

 

Du kannst. (Wenn du nur willst?)

Überall – „Glaube an dich, und deine Träume werden wahr.“ – „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst!“. Stimmt das? Wirklich? Zu einfach, oder? Glaube an dich. Einfach so. Vielleicht muss nichts dahinter stehen, aber, etwas Selbstvertrauen, das tut gut. Belohne dich. Du kannst, ja, du bist wertvoll, besonders, einzigartig, jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt, du selbst machst den Weg frei. Oder eben nicht. Der Versuch zählt, der Glaube. Vielleicht schaffst du es dann wirklich. Kopf hoch.

Überleg mal, was dich denn so alles auszeichnet, was dich denn so besonders macht, was du kannst – oder bist – und „die anderen“ nicht. Okay. Ich könnte jetzt sagen, Alice, 14, Bloggerin, reitet total gerne und hat ein Pflegepferd, liebt Nagellack und Nailart, perfektionistisch, organisiert, schreibt und steht bei Poetry Slams auf der Bühne … und so weiter.

 

 

Aber, was doch viel interessanter ist und nebenbei origineller klingt: Alice Anders, Nachname ist Programm. Vierzehn Jahre alt und Würzburgerin, die ihre Stadt liebt, nicht aber die ganzen japanischen Touristen auf der Alten Mainbrücke. Setzt sich am liebsten, bevorzugt in Springstunden, auf temperamentvolle Stuten (… Fiona.), trinkt ihren Kaffee am Morgen immer 50/50 mit Milch, langweilt sich in Bio, wenn man von den (allerhöchstens mal drei) Stunden Sexualkunde (im Jahr) absieht, tippt ab und zu Buchstaben und Sätze voller unnötig unverständlicher Absätze in ihren Laptop, die sich vielleicht rhythmisch auf die Bühne bringen lassen. Räumt, wenn sie Stress hat, ihr Zimmer auf, lettert gerne und auf alles (egal, ob es jetzt passt oder nicht), fotografiert jeden Sonnenaufgang und jeden Regentropfen im Gras, aktuell eine ziemliche Cumberbitch, übrigens.

Das ginge jetzt gut und gerne noch anderthalb Seiten weiter, also los, mach es auch so. Ich garantiere für das Grinsen im Gesicht. Weil wir doch alle diese Momente kennen, in denen man denkt, dass diese eine Situation, zusammengefasst in einem Satz, vielleicht etwas peinlich, das eigene Leben perfekt beschreibt. Jetzt. Im Moment.

 

Muss ich wirklich?

Ich selbst, nur für mich, habe wirklich oft das Gefühl, ganz viele Pflichten zu haben, so viel tun zu müssen, weil andere es von mir erwarten. Meine Freunde, meine Eltern, die Gesellschaft. Eigentlich ein Muster, in das ich nur ab und zu abrutsche. Viel schlimmer bin ich selbst. Ich glaube, kein Mensch meines näheren Umfelds ist so unglaublich kritisch mit mir wie ich selbst, das bin irgendwo immer ich, ich nörgle und erwarte und erlege mir einiges auf, viel – zu viel. Manchmal. Immer, eigentlich. Nehme mir die Freiheit, die ich durchaus habe, einfach wieder weg, weil: Disziplin. Pflichten. Ich hab ja zu tun.

Dabei hat nie irgendwer auch nur ansatzweise durchsickern lassen, dass ich all das muss. Aber trotzdem. Perfekte Noten, Einskommanull-Schnitt im Latinum, gut aussehen, wo es geht, immer besser reiten und sich eben anstrengen, den Blog nicht vergessen, Content Creation. Pflichtgefühl. Ja, ich mache all das gerne. Würde es aber noch lieber ohne den Zwang tun, mal diese ständige „ganz-oder-gar-nicht“-Mentalität ablegen, die mich trotzdem so auszeichnet. Gefangen im eigenen Verstand, in der eigenen Werteorientierung. Das tut weh.

 

Ja, ich will! (… träumen.)

Tagträume sind die schönsten Träume. Weil man davon träumt und darüber sinniert, was man gerne wäre oder gerne hätte, als Zustand, meine ich. Ich, ganz persönlich, will so viel. Erfolgreicher bloggen, die eine oder andere Person kennenlernen, Turniere reiten, Jura studieren, mich verlieben, was weiß ich. Und, naja, ihr kennt doch sicher alle die Vorfreude auf etwas Großes, Schönes, Besonderes. Vorfreude ist die schönste Freude.

Und Träumen ist manchmal schöner als die Realität. Träumen bedeutet nicht, im Leben stehenzubleiben, nein, es heißt, seine Wünsche zu verdeutlichen. Sie in Pläne zu verwandeln. Oder eben nicht, wie ich oben schon ausgeführt habe, egal, schließlich wollte ich damit eigentlich nur sagen, dass es glücklich macht, sich schöne Momente vorzustellen. Seine Wünsche eben.

 

 

Wie sieht es bei euch aus? Hetzt ihr noch euren Pflichten (oder nicht-Pflichten) nach oder träumt ihr schon?

2 Kommentare bei „Was ich selbst kann, soll, will“

  1. Ich mag deine nachdenklichen, philosophischen Blogposts so gerne, Alice! Und übrigens: Ich träume auch sehr gerne und finde das auch wichtig – Selbst wenn nicht alle Träume am Ende in Erfüllung gehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das in unserer heutigen Gesellschaft zu kurz kommt, weil alles immer höher, schneller weiter gehen soll und man gar nicht die Zeit findet, innezuhalten und sich mal zu überlegen: Ist das überhaupt das, was ich will?

    1. Wie schön, dass du sie magst. Ich schreibe zurzeit gerne in diese Richtung.
      Und: ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Man macht viel zu viele Dinge, die man eigentlich nie wollte.

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