Wenn aus einer Woche ein Monat und aus einem Jahr zwei Tage werden

Vierzehn Tage bis Notenschluss. Sieben Prüfungen in zwei Wochen. Ich habe Zeit für alles und für nichts. Und während ich da so sitze, vor der Caesarlektüre, die ich eigentlich übersetzen sollte, weil wir am Mittwoch Latinum schreiben – stop. Wohin sind diese zwei Schuljahre Latein, immer am Montagnachmittag, so verhasst und trotzdem: Sie werden mir fehlen. Ich habe mich eben daran gewöhnt, in diesen zwei Jahren, von denen ich nicht weiß, wo sie abgeblieben sind. Ein Wimpernschlag, einmal in die Hände klatschen. Die Zeit vergeht so schnell, zerrinnt einem jeden zwischen den Fingern, unaufhaltsam. Warum?

 

 

Ich verstehe es nicht immer, okay, eigentlich habe ich das noch nie. Aber wenn ich ein, zwei Jahre meines Lebens hinter mir sehe, mich daran erinnere, was alles so passiert ist in dieser Zeit – und ja, das ist verdammt viel! – und mich noch an meine erste Lateinstunde erinnern kann, als wäre sie gestern gewesen, dann verstehe ich das einfach nicht.

Oder letztes Jahr im Frühling und Sommer, als ich mit dem Bloggen gerade so wirklich angefangen hatte, noch mit meinem alten Handy fotografiert habe … irgendwie war das gestern. So klar, so scharf ist diese Erinnerung. Wenn ich aber an mein damaliges Ich zurückdenke, so muss sich doch einiges getan haben, oder? War ja auch genug Zeit dazwischen. Auch wenn es sich nicht so anfühlt. Manchmal wird die Vergangenheit greifbarer denn je, und die Zeit noch viel unbegreiflicher.

 

 

Ich wende mich wieder meinem Text zu und übersetze die nächste Zeile. Mitten in meiner nicht vorhandenen Motivation fällt mir das letzte Wochenende ein, genau sieben Tage sind seither vergangen. Genau, ich habe Staffel zwei und drei meiner neuen Lieblingsserie angesehen. Das war wirklich schön, damals. Vor einer Woche eben.

Damals?! Habe ich gerade ein Ereignis, das eine Woche zurückliegt, als damals bezeichnet? Damals, das Wort verwendet man, wenn man von Dingen erzählt, die vielleicht Jahre zurückliegen. Okay, schön und gut, ich verwende es, wenn ich durch meinen Instafeed scrolle. Mit jedem Bild ist ein Ereignis verknüpft, und wenn mir die Eindrücke durch den Kopf schießen, lächele ich meistens auch und denke „schön war das, damals, das waren wirklich noch Zeiten …“.

 

 

Weil auch in sieben Tagen so viel passieren kann, dass ein Monat zu vergangen sein scheint. Weil etwas, das Monate zurückliegt, aus einem völlig anderen Leben stammen kann. Ich wünsche mir so viel, bereue manches, werde wehmütig und rede mir ein, dass früher sowieso alles besser war. Und dass in Zukunft alles besser sein wird. Obwohl auch das Jetzt, in dem ich hier tippe, eines Tages oder auch schon in der nächsten Sekunde zur Erinnerung wird. Und in Anbetracht des Zustands, der dann sein wird, werde ich wohl auch denken, dass „damals“ einfach alles schöner war und ich es gut hatte, zumindest eben besser, und nicht über Latein lamentieren soll, weil Mathe letzten Endes doch komplizierter ist. Oder so.

 

 

Fazit. Die Zeit ist manchmal unser Verbündeter und ebenso oft unser Feind (auf Latein übrigens socius und inimicus). Aber da ist sie immer, und weiterlaufen wird sie. Egal, was wir tun und wie wir fühlen. Ist wohl einfach so.

Falls ihr noch mehr Gedanken zum Thema hören wollt, schaut doch einfach bei Laura vorbei, sie hat letztes Jahr einen tollen Post dazu geschrieben. Auf meinem Blog geht es zum Beispiel hier weiter.

 

 

(ach ja: dieser Text ist vor genau einer Woche entstanden. Inzwischen haben wir unsere schriftlichen Latinumsnoten erfahren. Ich habe mit der Bestnote bestanden, also denke ich, dass sich das viele Lernen gelohnt hat.)

2 Kommentare bei „Wenn aus einer Woche ein Monat und aus einem Jahr zwei Tage werden“

  1. Zeit ist ein Betrüger, der manchmal sein Gesicht wandelt. Erst glaubst du du kommst nicht voran und dann entrinnt sie durch die Finger. Und je mehr du dich daran festhallten willst, umso schneller entgleitet sie dir und zerläuft.
    Manchmal sollte man einfach viel weniger daran denken und mehr Leben.

    1. Wahre Worte. Aber manchmal ist es schwer, daran zu denken, dass nichts für immer ist. Dass es natürlich ist, auch mal die Kontrolle zu verlieren.
      Vielleicht müssen wir der Zeit einfach etwas mehr Vertrauen entgegenbringen.

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