Was wir (nicht) voneinander wissen

SHARE

Der Abend ist lau, bald kühl, als ihr im Sand sitzt, wo das Wasser beginnt, und über alles und nichts redet. Ich komme dazu, will etwas sagen, ohne wirklich zu wissen, was es ist, das ich spüre – bis du mir die Worte aus dem Mund nimmst; du warst beim Psychologen, erzählst du, deine Mutter wollte, dass du hingehst, sagst du. In mir: Chaos. Warum habe ich nicht bemerkt, dass die Depression wie ein dunkler Schatten über dir hängt?

Angst, niemand zu sein

SHARE

Irgendwie musste ich immer jemand sein, irgendjemand. Eine Assoziation hervorrufen. Eine Botschaft tragen. Irgendeinen Sinn versprechen, nach meinem Namen gedanklich einen relativen Satzanschluss stehen sehen. Alice, die … ja, was eigentlich? Frage ich mich. Zurzeit so oft. Warum kann ich nicht einfach sein? Ich selbst sein? Eine kleine Stimme in meinem Kopf wispert: Wer bist du denn dann noch? Niemand. Und dann habe ich ganz einfach Angst, die Angst davor, niemand zu sein.

Von Kontrollverlust und zerstückelter Ordnung

SHARE

Kontrolle. Wenn es alleine steht, ein durchaus mächtiges Wort, das so viel bedeuten kann. Unterschiedliche Assoziationen. Überwachung. Fremdbestimmung. Überprüfung. Oder aber: die Sucht, alles bestimmen zu können, alles festzuhalten, die Illusion, sein Leben selbst führen zu können. Und die Angst, alles zu verlieren. Spüre ich tagtäglich, ich – weiß doch nicht, was mir dann noch bleibt. Ich darf diese Kontrolle nicht aufgeben.

overthinking 2018.

SHARE

Und da sitze ich wieder. Sitze nur da, mit dem Laptop auf dem Schoß, es ist still. Das einzige Geräusch sind meine Fingernägel, wie sie auf die Tastatur einhacken, das Licht kommt von unserem Weihnachtsbaum, der Bildschirm ist blendend hell gegen die warm-düstere Atmosphäre. Würde mich jemand fragen, wie es mir in diesem Moment geht, würde er wissen wollen, ob ich glücklich bin – ich könnte es nicht sagen. Es sind Weihnachtsferien, vor drei Tagen war Heiligabend, die Zeit zwischen den Jahren liebe ich doch so sehr. Irgendetwas fühlt sich komisch an, falsch, ich kenne dieses Gefühl, aus vorangegangenen Wochen ist es mir vertraut. Ich weiß immer noch nicht, was das sein soll, Hormonschwankungen, Vitamin-D-Mangel, Jahresenddepressionen? Zu tun ist genug. Schule, wie sonst immer auch, ich müsste einiges erledigen, schiebe es wieder auf, Prokrastination vom Feinsten. Sinniere. Vielleicht ist es Angst? Die Angst davor, dass alles neu beginnt, die Angst vor der Zeit, vor ihrem schnellen Lauf, vor ihrer Unaufhaltsamkeit. Dann wende ich meinem Blick wieder dem Laptopscreen zu, bringe Buchstabe für Buchstabe schwarz auf weiß, auf digitales Papier, geleitet vom Drang, endlich alles aufzuschreiben. Zurückzudenken, mich zu erinnern. Zu reflektieren. Wie war 2018 für mich?

VIBES // dieses Gefühl

SHARE

Weihnachtszeit. Advent. Die schönste Zeit des Jahres, sagen sie, und ich: stimme zu. Weil Weihnachten so unglaublich spürbar ist, weil etwas in der Luft liegt, nein, nicht nur der warme Glanz von Lichterketten an Schaufenstern, von Kerzen auf dem Adventskranz, nicht nur der Duft nach Plätzchen, Lebkuchengewürz und Mandarinen. Da ist etwas, das tiefer geht, dieses Gefühl, das einen ganz im Inneren erfasst, wenn zum ersten Mal im Jahr Last Christmas im Radio erklingt. Eine warme Umarmung voll Liebe, die zärtlich flüstert: Alles ist gut. Ich bin hier.

Ich fühl’ mich eingegrenzt // ein wenig Kritik am deutschen Schulsystem

SHARE

Donnerstagmorgen, kurz vor sechs Uhr. Ich sitze an meinem Schreibtisch, lose eine Fleecedecke über die Schultern geworfen, weil es kalt ist, so früh, daneben brennt eine kleine Leuchte in warmem Licht, wirft harte Schatten in mein Zimmer. Sonst ist es still. Vor mir liegt kariertes Papier, kleinteilig beschrieben mit Formeln, Gleichungen, Graphen. Ich seufze. Schüttele dann den Kopf und versuche, mich wieder auf Mathematik zu konzentrieren, gehe alles wieder und wieder durch und werde dieses beunruhigende Gefühl trotzdem nicht los. Matheschulaufgabe in der ersten Stunde.

Von Freiheit und der Weite der Berge

SHARE

Freiheit. Das ist ein großer Begriff, der so viel umfasst, so viel verschiedenes, Freiheit ist ein Traum. Ein Traum davon, denken und sagen zu können, was man will, handeln zu können, wie man selbst es für richtig hält. Freiheit ist für mich das Entfliehen aus Alltag und Realität, das Zurücklassen von temporären Sorgen, über allen Dingen zu stehen, ohne schlechtes Gewissen, und wenn auch nur für den Moment. Freiheit ist mein Traum.

Weil ich eben nicht über Politik schreibe

SHARE

Was kann ich schreiben? Was kann ich schreiben, das Leute da draußen interessiert, mit dem sie sich verbunden fühlen, sich identifizieren können, das polarisiert? Was wird zurzeit denn überhaupt noch geklickt und gelesen? All das frage ich mich so oft. Ständig. Und bin zu meinem persönlichen Ergebnis gekommen, wieso diese Punkte nie wirklich alle auf das zutreffen, was ich schreibe. Hier. In meinen Poetry Slam-Texten. Es ist eigentlich relativ einfach – weil, nun ja, ich eben nicht über Politik schreibe.

Nur kurz unbeschwert und losgelassen durch die Welt tanzen

SHARE

Mal frei sein, unbeschwert sein, mal alle Sorgen vergessen, sie ganz einfach hinter sich lassen. Über allem stehen, nur kurz, alles ausblenden, die Augen schließen, lächeln, Glücksgefühle. Loslassen von Pflichten und überhaupt von allem, vom Alltag, loslassen und durch die Welt tanzen, als gäbe es kein Morgen, dabei träumen, träumen, als wäre das Leben ewig. Mal einfach nur leben. Nur kurz. Komplett frei sein für diesen einen Moment. Sommer.