Was denkt deine Gesellschaft über dich?

Okay, okay. Heute wird es wieder etwas nachdenklich. Ihr wisst ja, ich mache mir über vieles Gedanken, wie man hier sieht, und teile diese gerne, eigentlich immer in der Hoffnung, einige andere Meinungen zu hören. Eure Meinungen. Und heute geht es um unsere Gesellschaft, um Normen, in die wir uns drängen, in Zwänge, die wir uns anlegen lassen. Darum, sich in ihr zu behaupten und einen eigenen Platz darin zu finden.

Vor wenigen Wochen kam meine Tante zu mir und wollte etwas wissen. Sie selbst ist eine unglaublich frische, coole und jung gebliebene Frau, und trotzdem sorgte sie sich, dass die wenigen grauen (bzw. weißen, Umgangssprache und so) Haare, die sich langsam bildeten, sie weniger hübsch machen, ihr Aussehen abwerten würden und damit auch ihren Platz in der Gesellschaft, bei Freunden, einfach bei Fremden, überall eben. Und all diese Überlegungen zu einer Tatsache, die mir, ihrer Nichte, ohne den Hinweis wahrscheinlich nie wirklich aufgefallen wäre. Da haben wir angefangen, ein wenig zu diskutieren, weil ich wissen wollte, warum sich die meisten Menschen so sehr über ihre Wirkung nach außen definieren, über ihren Status, ihr Image. Und ich habe versucht, ein paar Fragen hier für mich selbst und so vielleicht auch für euch zu beantworten.

 

Hauptdarsteller ihrer eigenen Filme

–  tatsächlich eine Wendung, die ich so schon öfter gelesen und gehört habe. Dahinter steckt ganz einfach die Tatsache, dass die meisten Menschen eher auf sich selbst schauen und sozusagen mit Scheuklappen durch die Welt laufen, fast immer nur auf einen persönlich fokussiert. Das ist natürlich, logisch, dass man sich auch am meisten Gedanken über sich selbst macht.

Die Frage ist eher, warum sind wir trotzdem so nachhaltig überzeugt davon, dass wir für alle und jeden auf einer großen Bühne im Rampenlicht stehen? Das ist besonders der Ursprung des Wunsches, immer und zu jeder Zeit perfekt aussehen zu wollen. Was, die Frisur sitzt nicht, die Lippen sind schlampig angepinselt, die Wimperntusche schon wieder verschmiert? Das sieht doch jeder, alle werden über mich lachen und sich sonst etwas denken! … wahrscheinlich nicht. Die Leute, die so etwas erkennen würden, sind die, denen ihr auch immer auffallt, also vermutlich Familie und Freunde. Und die würden euch wegen einem strähnigen Zopf und unaufmerksam gezupften Augenbrauen wohl kaum verurteilen.

Wenn ich es mir überlege, achte ich auch selten auf Leute, die mir nur vage bekannt oder gänzlich fremd sind. Nicht jeden kann alles interessieren, und ich denke, wenn man sich das einmal vor Augen geführt hat, lässt es sich gleich viel selbstbewusster durch die Welt gehen. Selbstbewusst ist schön.

 

Hier wird nur gutes Aussehen anerkannt.

Wie schon angesprochen, definieren sich sehr, sehr viele Menschen komplett über ihr Aussehen und ihre Wirkung auf andere Leute. Männer wollen cool sein, damit die Frauen auf sie stehen, Frauen wollen gut aussehen, damit sie bei den Männern beliebt sind. Soweit die Stereotype. Dazu sage ich persönlich gerne: Quatsch. Wie oberflächlich – hohl – wäre es denn, eine fremde Person nach ihrem einfachen Aussehen zu beurteilen? Und zwar direkt nach dem Motto „mit dem geb ich mich nicht ab, aber mit der, die sieht einfach heißer aus“. Ich kann mir gar nicht vorstellen, so ein Mensch zu sein. Und ich denke, dass wesentlich weniger Personen so urteilen, als wir annehmen.

Also, zu solchen Sätzen fällt mir dann nur ein, dass so jemand es nicht wert ist, mich wirklich kennen zu lernen. Ist auch wirklich so.

Und trotzdem sind so viele Menschen der Meinung, dass es genauso läuft in unserer Gesellschaft. Irgendwie traurig, weil dann so viele Bekanntschaften und so viel Spaß auf der Strecke bleibt, weil man sicher ist, nicht gut genug für gewisse Personen oder Personengruppen zu sein. Oder, was noch schlimmer ist, wie im Fall meiner Tante „nicht mehr“. Und das leider auch, wenn es nicht stimmt, weil es irgendwie nie stimmt.

Aber manche Vorurteile, Stereotype, Verallgemeinerungen sind so tief in der Menschheit verankert, dass sich niemand mehr traut, auszubrechen. Dadurch geht ja so viel wunderschöner, bunter Diversität verloren.

 

Hallo, Gruppenzwang!

Letztes Jahr, die weißen Levis-Shirts mit roter Schrift. Muss ich noch mehr sagen? Fakt ist, am Ende hat jeder sie getragen. Weil es „cool“ war. Und naja, jeder sie trug. So einfach ist das, denke ich, eigentlich relativ simpel. Und trotzdem immer mit der Begründung, es gekauft zu haben, weil es einfach gut aussieht und einem selbst gefällt, von sehr vielen Freunden und Bekannten, die teilweise komplett unterschiedlich sind und komplett unterschiedliche Klamotten tragen, normalerweise.

Ich verstehe es nicht, habe es noch nie und werde es wohl auch nicht. Sobald eine Marke angesagt ist (aber etwas teuer, sie muss schon für Leute mit gehobenem Budget gedacht sein, C&A doch nicht!), wollen alle sie tragen. Und innerhalb von kürzester Zeit ist es dann a) nichts Besonderes mehr und b) unser Schulforum sieht aus wie eine Art Militärparadenveranstaltung, weil die Schüler sozusagen uniformiert sind.

Auch hier bleibt dieses individuelle, bunte auf der Strecke. Und wieso das alles? – Um dazuzugehören, auch mal „cool“ zu sein, angenommen und akzeptiert zu werden. Schon traurig, in einer Welt zu leben, in der sich die Jugend immer mehr über Kleidung, Handys und natürlich ihr Aussehen definieren. Nein, danke, für mich bitte nicht.

 

 

Meine Botschaft für heute lautet schlicht und einfach: Seid, wer ihr seid, bleibt so, wie ihr seid, und vor allem – ändert euch nicht für irgendjemanden oder irgendetwas, sondern nur für euch selbst.

Das war meine Meinung. Und eure? Was denkt ihr zu diesem, zugegeben, etwas brisanten Thema? Lasst doch gerne einen Kommentar da, ich würde mich freuen!

Habt ein schönes Wochenende!

2 Kommentare bei „Was denkt deine Gesellschaft über dich?“

  1. Hachja, die Sache mit der Oberflächlichkeit. Da könnt ich stundenlang erzählen, auf was für vermeindlich tolle Typen ich da schon reingefallen bin, nur weil sie ein hübsches Gesicht hatten. So etwas lehrt einen, sich nicht blenden zu lassen, der Blick HINTER die Fassade ist so viel wichtiger. Und wenn mir das “Darin” gefällt, gefällt mir auch das “Außenrum”. Wobei, wenn ich so drüber nachdenke, keiner meiner bisherigen Partner so ein “ich schwimm auf jeder Welle mit”-Coolio war. Das sind/waren (bis auf einen) ganz einfache, bodenständige, umgängliche Kerle, mit denen ich auch heute noch auskomme.
    Ich gebe aber, ehrlicherweise, auch nicht sooooo arg viel auf Normen. Ich meine, ich werde in 3 Wochen 30 – da ist die Durchschnittsdame längst verheiratet, baut gerade ein Haus und trägt das zweite Kind unter dem Herzen. Und ich? Ich töne meine Haare lila, entdecke laufend neue Hobbies und freue mich über die Freiheiten, auch mal faul auf dem Sofa zu liegen und sich um nichts und niemanden kümmern zu müssen. Mein Freund ist da ganz ähnlich, der ist nochmal 10 Jahre älter als ich, und sieht dennoch keine Not, seine Heavy Metal-Totenkopf-Tshirts gegen (spießige) Karohemden zu tauschen, oder seine langen Haare und den Vollbart abzuschneiden. Normen sind halt doch auch nur insoweit Normen, wie man sich von ihnen “unterdrücken” lässt.

    Liebe Grüße,
    Steffy

    1. Da hast du wirklich recht. Normen werden irgendwie überbewertet, wer nicht mit dem Strom schwimmt, komisch angeschaut. Dabei finde zumindest ich persönlich Mainstream eher langweilig und das, was außerhalb liegt, einfach anders ist, interessant. Aber jedem das Seine.

Schreibe einen Kommentar