Weil ich eben nicht über Politik schreibe

Was kann ich schreiben? Was kann ich schreiben, das Leute da draußen interessiert, mit dem sie sich verbunden fühlen, sich identifizieren können, das polarisiert? Was wird zurzeit denn überhaupt noch geklickt und gelesen? All das frage ich mich so oft. Ständig. Und bin zu meinem persönlichen Ergebnis gekommen, wieso diese Punkte nie wirklich alle auf das zutreffen, was ich schreibe. Hier. In meinen Poetry Slam-Texten. Es ist eigentlich relativ einfach – weil, nun ja, ich eben nicht über Politik schreibe.

 

 

Nein, natürlich nicht nur Politik beziehungsweise nicht-Politik: sondern auch sämtliche andere Themen, die von der Öffentlichkeit sowieso schon breitgetreten werden. Feminismus, Zivilcourage, Rassismus. Nächstenliebepredigten, Fair Trade, hungernde Waisenkinder in der dritten Welt. Vergewaltigung, Kriege, Wahlen, Waffenexport, Demos, Dresden, Chemnitz. Massentierhaltung, Tierversuche, vegetarisch einkaufen, vegan kochen. Und was weiß ich noch alles.

Disclaimer: Alles, was ich hier schreibe, entspricht meiner – und nur meiner! – eigenen, persönlichen Meinung. Ich finde es gut, wenn sich Leute für die Lösung all solcher Probleme einsetzt, wirklich, das ist ja auch notwendig. Und trotzdem wollte ihr hier mal so darüber erzählen, mir Gedanken von der Seele schreiben, ihr kennt das schließlich.

 

 

Ja – es gibt viel Schlimmes auf der Welt. Es gibt Gewalt, es gibt das, was die meisten wohl als „das Böse“ bezeichnen würden. Und das sind die Dinge, die ankommen, weil allein das Thema ihnen die Klicks zufliegen und die 9er und 10er beim Slam nur so in die Höhe schießen lässt, weil Menschen der Meinung sind, dass MAN dagegen ETWAS tun muss, weil sie denken, dass ALLE das müssen, und weil dieses ETWAS auch schon sein kann, zu sagen, dass man ja mal etwas tun müsste, anscheinend. Und, was hat sich getan? Die Welt haben wir ja doch nicht verändert.

 

 

Und irgendwo dazwischen stehe ich und versuche, einen Platz für mich zu finden, einen Platz für alles, was ich so zu sagen habe. Das sind vielleicht keine großen Dinge, das sind Themen wie Perfektionismus und Erinnerungen und Leere und Sinnlosigkeit und unsere Gesellschaft und Zeit und Veränderung und so viele Gedanken, Gedanken, Gedanken. thoughts bigger than your head. Und eigentlich sollte dieser Platz doch hier sein, hier kann ich schreiben, und ich würde so gerne diskutieren und kommunizieren, aber los ist trotzdem nichts, kaum Kommentare, wenig Resonanz. Dieser Platz sollte auf der Bühne sein, wo jede Botschaft als gleich und wichtig angesehen werden und jeder Gedankengang respektiert werden sollte, keine 4er, aus Unverständnis in die Höhe gestreckt, bitte. Dann ziehe ich halt die Stimmung im Raum runter. Aber, meine Texte, die sind ehrlich. Meine Botschaft, meine ganz persönliche Botschaft, die will ich klar formulieren, für alle zugänglich machen, erzählen und schreiben und teilen, weil ich es liebe.

 

 

Und dafür wünsche ich mir Akzeptanz. Nur ein kleines Stück. Ein wenig Offenheit, den Willen, nachzudenken, zu hinterfragen. Und bis dahin: warte ich hier, und schreibe für meine Leser, die vielleicht nicht so viele sind, aber dafür gerne hier, die mich verstehen und sich in meinen Texten wiedererkennen, vielleicht ist das besser so, vielleicht will ich die große Leserschaft gar nicht. Werde ich auch nie haben. Weil ich eben nicht über Politik schreibe.

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